Flakbatterie Hohenschulen

Einheit: 6.M.Fla.A.251
Batteriechef: Olt. Koepp
Geschütz: 4 x 10,5cm
Typ: Schnellladekanone C/32
Zusatzbewaffnung: 2x 2cm Flak Oerlikon
Kommandogerät: Dreiwag
Entfernungsmesser: Em 6m R
Batteriezustand bei Kriegsende: Waffen und Geräte zerstört, Munition gelähmt
Munitionsbestand bei Kriegsende: 1150x 10,5cm

 

 

Auszüge aus den Feldpostbriefen eines Soldaten:

29.03.1943

(...) Das Wetter hat sich hier wohl gedreht. Seit einigen Tagen herrscht wieder ein Sturm, der die Stuben über Nacht wieder sehr kalt werden lässt. Gestern sollte eigentlich der schon um eine Woche verschobene Tag der Wehrmacht sein. Fiel aber wieder aus und wurde abermals um einer Woche verschoben.

(...)

Gestern war hier bei der Marine-Artillerie-Feuerwehr ein großes Varieté, Eintritt RM 1,50 zugunsten der Winterhilfe. Die Zivilbevölkerung war auch eingeladen. Aber es hat mir nicht gefallen. Von uns wurde ein Chor und eine Theatergruppe gestellt. Sie machten ihre Sache am besten. Außerdem war noch eine 8-Mädel starke Tanzgruppe aus Hamburg verpflichtet, die ebenfalls gefallen konnte. Sonst waren alle anderen Darbietungen von der Feuerwehr organisiert.

Seit langer Zeit hatten wir Sonnabend mal wieder für einige Zeit Alarm, der zwei Stunden dauerte. Von 23.00 Uhr - 01.00 Uhr. Heute Mittag war ein Aufklärer hier und so hatten wir heute Abend wieder Alarm. Es ist um 08.00 Uhr Wecken. Ich habe so ein Gefühl, als sollten wir jetzt mal wieder an die Reihe kommen. Er soll nur kommen, der Tommy, unsere Burschen freuen sich schon auf die Knallerei.


06.05.1943

(...)

Gestern hatte ich mir vom Spieß für den Nachmittag frei geholt und auch bekommen. Also fuhr ich nach Kiel. Hier selbst machte ich einen Spaziergang. Mein Fahrrad hatte ich im Hasseer Bahnhof abgegeben und von hier mit der Straßenbahn hinausgefahren bis zur Endstation und machte denselben Spaziergang wie mit Vater, nur in entgegengesetzter Richtung. Dann fuhr ich wieder mit der Straßenbahn zum Bahnhof und wollte nur einen Kaffee. Aber sämtliche Cafés waren geschlossen oder waren im Begriff zu schließen. So landete ich dann an der entgegengesetzten Seite vom Bahnhof in einem feinen Restaurant "Zum Kegelheim". Hier gab es noch Abendessen. Da ich Hunger hatte und es hier ein ordentliches Stammessen gab, ließ ich mir auch eins kommen. Es war Rotkohl mit Kartoffeln und Sauce und schmeckte sehr gut. Vorweg gab es eine Ochsenschwanzsuppe, die aber entschieden besser schmeckte, als die im Ratskeller. Und der Preis war ebenfalls ganz annehmbar. Die Suppe kostete RM 0,40 und das Stammgericht RM 0,70 + 10% Bedienung. Und was die Hauptsache war, ich bin davon satt geworden. Danach fuhr ich mit der Bahn zurück zum Hasseer Bahnhof und dann nach Hause. Gegen 21.30 Uhr kam ich in der Batterie an. Es wurde mir gleich mitgeteilt, dass um 22.00 Uhr Stubenmusterung sei. Daher setzte ich mich wieder auf meinen Drahtesel und fuhr zu der Stellung, in der ich am Geschütz ausgebildet wurde und die Du Weihnachten kennenlerntest. Der Koch von dort, den Du ja auch kennst, wollte noch mit, denn er hatte gestern seinen Heimaturlaubsbesuch. Ich war auch nicht lange dort, da traf er ein. Nach der Begrüßung packte er dann aus. Wurst, Eier, Schinken, Brötchen und sämtliche Sorten Spirituosen kamen zum Vorschein. Also wurde gefeiert. Es war urgemütlich in der Stellung. Wenn ich heute an gestern denke, so möchte ich gleich wieder ans Geschütz, in die Stellung kommandiert werden. Dort herrscht eine Ruhe, Kameradschaft und Stimmung, wie sie in Russland nicht besser sein kann.

3 Minuten vor 24.00 Uhr, also vor Zapfenstreich, war ich in der Batterie und meldete mich beim U.v.D., der so lange auf mich warten musste, von Land zurück. Hier erst vernahm ich vom U.v.D. die Kunde, dass Dortmund vom Tommy wüst bombardiert worden sei. Na, wie meine Stimmung umschlug, kannst Du Dir ja wohl denken. 36 Abschüsse bei diesem Angriff - da kann ich mir schon ausrechnen, wie viel Angreifer dort gewesen sein müssen. Jedenfalls schätze ich die Zahl auf 400 - 500. In der Nacht hatte ich um 03.00 Uhr Wache. Und das war gut so. Bis 03.00 Uhr hatte ich kaum ein Auge zugetan, und ich war froh, das ich aufstehen konnte.

(...)

 

16.05.1943  03.00 Uhr

(...)

Gerade hatte ich Dich angerufen, da kam auch schon ein Anruf vom Sehberg, und ich musste einen Spruch aufnehmen. Wir hatten heute Nacht von 01.25 Uhr - 01.55 Uhr Flakalarm! Waren aber nur Störflüge. Ja, so geht es uns jetzt. Erst wird Dortmund bombardiert, dass man von dort keine Post bekommt und nun ist Kiel an der Reihe. Vorgestern hatten wir Alarm. Der englische Fliegerverband von ca. 20 Maschinen wurde von uns mit bloßem Auge erkannt. 80 Maschinen waren gemeldet. Jedoch drehten einige auf Hamburg ab. Na, das war eine Knallerei. Außerdem konnte man Jäger beobachten wie einer einen Tommy abschoss, selbst aber auch zu Bruch ging. Der Pilot rettete sich durch Fallschirmabsprung.

(...)

Als ich heute morgen in Kiel war, kam auch wieder Alarm. Wie kopflos die Menschen durch die Straßen hasten! Man macht sich kein Bild davon. Mit unserem Alarmausweis kommen wir ja überall durch. In Hassee standen die meisten Leute vor den Haustüren. Da brauchte man sich natürlich nicht zu wundern, wenn die Anzahl der Toten und Verletzten so hoch ist. Wir waren ungefähr am Bahnhof von Hassee, als Entwarnung gegeben wurde.

 

17.06.1943  22.00 Uhr

(...)

Vergangene Nacht war Köln an der Reihe. Düsseldorf muss ja nun auch einem Schutthaufen gleichen. Nachdem ich nun Dortmund gesehen habe, kann ich mir ungefähr ein Bild machen. Ich bin nun gespannt, was von unserer Seite aus in diesem Sommer geschehen wird an militärischen Operationen. Es herrscht ja eine erdrückende Ruhe. Nur am Kuban-Brückenkopf wird gekämpft. Sonst ist es doch sehr ruhig. Was das wohl zu bedeuten hat?

(...)

In der "Kieler" steht weiter nichts von Bedeutung. Nur Aufsätze über Politik und Kriegstaktik unserer Gegner und Aufzählung von Erfolgen in der Zeit vom 01.06. bis heute. Also nichts Wesentliches. Wir müssen also die kommende Zeit abwarten. Eines ist mir aber doch beim Lesen der Zeitung aufgefallen. Der Führer hat dem schwedischen König anlässlich seines 83. Geburtstages ein handschriftliches Glückwunschschreiben übersandt, was immerhin eine hohe Ehrung bedeutet. Ob sich da was tut? Abwarten!

 

22.06.1943

(...)

Heute war Sommeranfang. Ich war von 21.00 Uhr - 24.00 Uhr B.Ü. (Befehlsübermittler)

Wie es im Wehrmachtsbericht hieß, hat der Tommy ja in der vorigen Nacht Krefeld bombardiert. (...) Heute morgen, so erfuhr ich von Kameraden die auf dem Sehberg waren, haben ja auch sehr viele Feindflugzeuge das Ruhrgebiet unsicher gemacht. Da habt Ihr ja auch wohl wieder Alarm gehabt? Ihr im Westen seid bestimmt zu bedauern. Man macht sich als Soldat tatsächlich mehr Gedanken um seine Angehörigen, als sie um ihre Söhne und Männer, die Soldat sind. Hoffentlich habt ihr dort nicht zu viel zu leiden. Die Alarmgeschichte wird dort und im Wehrmachtsbericht schon zum festen Programmpunkt. Ein Kamerad fuhr heute Abend nach Krefeld, um dort nach dem Rechten zu sehen. Telegramme und Ferngespräche von und nach dort gingen nicht durch. Da auch die Braut vom Spieß dort wohnt (in 14 Tagen sollte die Hochzeit sein) wurde dieser Bote gestartet. Nun spürt er auch am eigenen Leib, wie es ist, wenn er keine Nachricht von seiner Geliebten erhält. Er war ganz durcheinander.

 

25.06.1943

(...)

Heute hatten wir 2x am Tage Alarm. Aber ohne Feuertätigkeit. Es war nicht einmal im Kieler Bereich. Auch für die Nacht ist wohl nichts zu erwarten. Das Wetter ist zu schlecht. Mit kurzen Unterbrechungen regnet es in einem fort. Bei Nachtwache als B.Ü. kann man es ohne Ofen nicht aushalten. Das ist unser Sommer! Aber es werden noch bessere Tage kommen. Auch in der Kriegsführung. Bei jahrelanger Kriegsführung kommt für den Stärksten auch mal eine Krise, die er überwinden muss, um im alten, gewohnten Tempo fortfahren zu können. Diese Ruhe ist wirklich etwas Besonderes. Es ist unheimlich. Ob von uns aus große Ereignisse vorbereitet werden, oder was mag es sein? Ist ganz gleich. Wir haben ja das Warten gelernt. Nach meiner Annahme wird in diesem Jahr gar nichts besonderes passieren. Dafür aber umso mehr im nächsten. Gespannt sind alle und wo man auch hinkommt ist überall der Krieg Tagesgespräch. Wir harren auf die Dinge, die da kommen sollen und ich glaube nicht, dass sie enttäuscht werden. Dieser Krieg ist noch lange nicht entschieden und möchte ich sagen, noch nicht auf dem Höhepunkt angelangt.

(...)

Vergangene Nacht hatte ich von 24.00 Uhr - 03.00 Uhr Wache. Ab 01.30 Uhr war ich eingenickt und wurde erst um 02.50 Uhr wach. Das langte aber gerade, um meine Ablösung rechtzeitig zu wecken. Über Arbeit kann ich mich nicht beklagen. 19.00 Uhr wird es fort immer auf der Schreibstube. So geht alles seinen alltäglichen Gang und die schöne Zeit unserer Jugend vergeht schneller ohne etwas davon zu haben. Hoffentlich werden wir dafür später entschädigt.

 

27.06.1943

(...)

Für heute Abend ist hier in unserem Gemeinschaftsraum ein Wunschkonzertabend vorgesehen, zu dem alle Stellungen eingeladen worden sind. Zum Vortrag kommen ca. 60 Schallplatten. Es sind Ausschnitte aus Opern, Operetten, Ouvertüren, Marschliedern, Tanzschlager und Walzer. Das sind ungefähr 120 Musikstücke. Eine nette Anzahl. Ich bin mal gespannt, ob wirklich Leute aus den Stellungen kommen werden. Alle sind nämlich gespannt auf die Übertragung des Fußballendspiels zwischen Dresden und Saarbrücken. Viele kommen ganz bestimmt nicht.

 

04.01.1944

(...)

Heute hatten wir schon wieder Film. Erst die Wochenschau von Weihnachten, dann den Kurzfilm "Wie schön ist die Berlinerin" - und als Hauptfilm: "Das Bad auf der Tenne." Der Film gefiel uns ganz gut, da er einen tieferen Sinn hatte, als all die sonstigen Filme. Wie ich halbamtlich gehört habe, soll die Verfügung aufgehoben sein, so dass es mir passieren kann, dass auch ich eines Tages abkommandiert werde. Kannst aber vorläufig beruhigt sein, da mir der Chef selbst noch nichts gesagt hat. Heute war hier wieder Großalarm. Vereinzelt vielen in der Umgebung Kiels Bomben und auch einzelne in der Stadt. Hier selbst alles gesund und munter.

 

05.01.1944

(...)

Heute wurde Kiel im Wehrmachtsbericht genannt. Bei uns passierte nichts. Den Angriff konnte ich an der Kanone stehend sehr gut verfolgen. Erst die Anflüge der Verbände, dann ein Sammeln und nun erst erfolgte der Angriff. Genauso war es heute wieder, nur das nicht ganz so viele Maschine in der Luft waren wie gestern. Doch nehme ich an, dass morgen der Wehrmachtsbericht wieder von einem Angriff auf Kiel spricht. Auch heute ging alles glatt ab. Den Brandwolken nach zu urteilen, zerstörten die heutigen Feindbomber mehr als gestern. Wie es scheint, haben diese Angriffe aber nicht die Wirkung, wie wir es sonst gewohnt sind. Wenn sie dafür aber öfter kommen, ist es doch dasselbe. Man kann uns aber nicht aus der Ruhe bringen, das heißt, der Tommy kann es nicht, denn eines Tages wird ja doch auch für uns wieder der große Tag der Vergeltung kommen.

 

10.01.1944

(...)

Jetzt hatte ich versucht, Dir auf irgendeine Art sofort Nachricht über mein Befinden zu geben, nachdem die Angriffe auf Kiel erfolgt waren. Leider musste ich dieselben Erfahrungen machen, wie Du auch. Sicher, ich weiß, dass Deine Sorge groß ist, aber ich konnte nichts weiter machen, als Dir sofort schreiben, und das habe ich getan. Das ich ja nicht direkt in Kiel liege, wie Du weißt, so brauchst Du Dir derart große Sorgen nicht immer machen. Hier draußen ist in Bezug auf Krieg und Alarm nicht viel los. Wir haben zwar die Maschinen Kiel anfliegen sehen, doch ohne Angst haben zu müssen, dass uns eine verirrte Bombe hätte treffen können. Der Anflug erfolgt nie von unserer Seite und im Abflug haben wir sie ebenfalls nicht in unserer Nähe. Sie fliegen immer über See ab und das ist fast die entgegengesetzte Seite von uns aus...

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