Emkendorf

 

Flugzeugtyp:
Mosquito XVI
Absturzdatum:
21.01.1945
Absturzzeit:
16.03 Uhr
Absturzursache:
Bf-109
Werknummer:
NS509
Rufzeichen:
-
Besatzung:
2 Mann (1KIA 1POW)
MACR:
11912
Einheit:
25BG 654BS
Startflugplatz:
-
Startzeit:
14.42 Uhr
Herkunftsland:
USA

Am 21.01.1945 um 14.22 Uhr starten der amerikanischen Piloten Lt. Jerry M. Roberts und sein Navigator Lt. Ralph E. Fisher mit ihrer Mosquito (Seriennummer NS509) vom englischen Flugplatz Watton in Richtung Deutschland. Ihr Auftrag ist es den Luftraum südöstlich Dänemarks und nordöstlich Schleswig-Holsteins zu besetzen und die dortigen Wetterbedingungen zu beobachten. Plötzlich sind sie in ihrer Maschine von mehreren feuerrot leuchtender Leuchtspurgeschossen umgeben, die um ihre Maschine schwirren. „Mustang!“ schreit Lt. Fisher, während der Pilot die „Mossie“ (ein Synonym für eine Mosquito) schlagartig in eine tief angesetzte Linkskurve steuert, um die Maschine aus dem Gefahrenbereich zu bringen. „Yellow-belly Mustang!“ schreit Fisher erneut in die Bordfunkanlage seinem Piloten zu. Lt. Roberts wirft einen Blick zurück, um die Position der angreifenden Mustang ausfindig zu machen. Er reißt die Maschine in eine noch engere Kurve, als erneut rote Leuchtspurgeschosse seitlich von oben über ihn hinweg schießen und im linken Triebwerk und der linken Tragfläche einschlagen. Wie von schweren Hammerschlägen getroffen, spürt er einige Geschosse, die gegen die gepanzerte Stahlplatte hinter seinem Sitz einschlagen. Der linke Motor und die Tragfläche brennen lichterloh, Feuer und Qualm umhüllen und verdunkeln das Cockpit. Der Pilot reißt die Maschine in eine entgegengesetzte Richtung um wieder bessere Sicht zu erhalten, er schreit Lt. Fisher zu, mit dem Fallschirm auszusteigen. Aber der Navigator ist in seinem Sitz blutüberströmt zusammengesackt. Sofort beugt sich Lt. Roberts nach rechts und zieht den schlaffen Körper seines Kameraden wieder in eine aufrechte Position. Die Geschosse, die der Pilot an der Panzerplatte seines Sitzes kurz zuvor einschlagen spürte, prallten als Querschläger von der Panzerplatte ab und trafen seinen Navigator. Sie rissen ihm dabei seine Sauerstoffmaske, die mit Blut vollkommen durchnässt ist, von seinem Gesicht. Aber dem Piloten bleibt keine Möglichkeit mit seinem Kameraden zu reden und sich um seine Verwundung zu kümmern. Während er seine Hände von der Steuerung nimmt, um seinen Kameraden wieder aufzurichten, dreht sich die brennende Mosquito in einer langsamen Bewegung nach links, worauf das Cockpit erneut von Flammen und Rauch umhüllt wird. Ein Ausstieg aus dem Cockpit ist dadurch äußerst riskant, er ist auch nicht in der Lage an den Griff zum öffnen der Bodenluke zu gelangen, da der bewusstlose Navigator sie mit seinem wieder nach vorn gesackten Körper verdeckt. Erneut zieht der Pilot seinen Kameraden nach hinten, aus dessen Nacken das Blut heraus spritzt. Er ist noch am Leben aber bewusstlos Schnell wickelt er seinen Schal um den Hals des Navigators, um weiteren Blutverlust zu vermeiden. Die Mosquito verliert währenddessen immer schneller an Höhe und wirbelt der Erde immer näher entgegen und dreht sich auf den Rücken. Irgendwie schafft es der Pilot dennoch einen Fallschirm zu greifen, diesen am Fallschirmgurt seines Kameraden zu befestigen und anschließend mit schmerzhaften Tritten die Bodenluke herauszutreten. Es erweist sich als eine schwierige Aufgabe, sich über die Beine seinen Navigators zu bewegen, die Bodenluke zu öffnen und die Hüfte seines Kameraden hoch zu heben, zumal das Fallschirmpaket ihn daran hindert. Mit schnellen Bewegungen ergreift er die Zugösen des Fallschirmes und schafft es den Bewusstlosen und Verwundeten durch die offene Bodenluke ins Freie zu drücken. Schließlich stellt auch der Pilot sich an die Ausstiegsluke und quetscht sich durch sie hindurch. Schockiert bemerkt er, dass sich das Kabinendach der Maschine mit einem heftigen rütteln gelöst hat und ihn beinahe erschlägt. Mit einem schmerzhaften Ruck schlägt er auf der Erde auf. Er spürt wie es langsam dunkel um ihn herum wird fällt in eine Bewusstlosigkeit Zwischenzeitlich zerschellt seine Maschine in der Nähe von Emkendorf auf einem Feld. Nach einiger Zeit kommt er langsam wieder zu sich und spürt, dass er unfähig ist sich zu bewegen. Nur sehr schwerfällig schafft er es sich vom Fallschirm und Fallschirmgeschirr zu befreien und liegt nun kurzatmig und unter körperlichen Qualen am Boden. Ein Landwirt beobachtete wie der Pilot mit seinem Fallschirm herunter kam, steht plötzlich mit einer notdürftig angefertigten Trage neben ihm und transportierte ihn in ein Haus. Auch seinen Navigator findet man lebend unweit von der Absturzstelle entfernt, nahe der kleinen Ortschaft Giekau auf, er verstirbt noch bevor ärztliche Hilfe eintrifft. Kurze Zeit später treffen Wehrmachtsangehörige ein und verhaften den Piloten. Er wird am 22.01.1945 in das „Dulag-Luft“ (ein Durchgangslager für Luftwaffenangehörige) nach Oberursel bei Frankfurt verlegt. Sein Navigator wird nach dem Krieg umgebettet und auf dem „Ardennes American Cemetery and Memorial“ Neupre (Neuville-en-Condroz) in Belgien bestattet.

Die Marineflak hatte bereits den gesamten Flugweg der Maschine verfolgt. Nach deren Aufzeichnungen wurde die Mosquito als feindlichen Aufklärer bereits um 15.43 Uhr nördlich von Nordstrand mit einer Geschwindigkeit von 500 km/h und einer Flughöhe von 8000m erfasst. Um 15.50 Uhr erreichte sie Schleswig, die Kieler Außenförde um 15.55 Uhr und die Hohwachter Bucht um 15.59 Uhr bis nördlich des Selenter Sees, wo sie schließlich um 16.03 Uhr von einer verfolgenden Messerschmitt Me-109 abgeschossen wird. Während des Einfluges wurde in Kiel, zwischen 15.44 Uhr und 16.08 Uhr und in Lübeck zwischen 15.55 Uhr und 16.08 Uhr, Flakalarm ausgelöst. Die Fernschreibstelle Oberursel im Taunus erhält am 22.01.1945 um 05.00 Uhr ein Fernschreiben der Fliegerhorstkommandantur Großenbrode, mit folgender Nachricht:

„GEFANGENNAHME AMER. FLIEGER 21.1.45 1600 UHR EMKENDORF 10KM SUEDL. LUETJENBURG.- LTN ROBETS JERRY M. 1 MANN TOT.- MOSQUITO TOTALZERSTOERT. ABSCHUSS DURCH JAEGER.- TRANSPORT D. GEF. 22.1.45 ZUM DULAG LUFT OBERURSEL“.

Die Dienststelle übersendet in der Anlage Formblatt 1 über die Gefangennahme des amerikanischen Luftwaffenangehörigen Leutnant Jerry M. R o b e r t s, Erkennungsmarke O722219 ein Verzeichnis der dem Gefangenen abgenommenen Privatsachen. "Die aufgeführten Privatsachen sind dem Gefangenentransport mitgegeben.“ Der Gefangenentransport mit Lt. Roberts trifft schließlich drei Tage später in Oberursel ein.

Zu bemerken ist, dass der Pilot und der Navigator den angreifenden Jäger irrtümlich als eine amerikanische P-51 Mustang erkannten, obwohl sie von einer deutschen Me-109 angegriffen und abgeschossen wurden. Erklären ist dies zum einen dadurch, dass der Bugbereich der amerikanischen P-51 und der der deutschen Me-109, je nach zugehöriger Staffel und Einheit, gelb lackiert waren, zum anderen dadurch, dass aufgrund der sehr hohen Geschwindigkeiten beider Flugzeuge und der Versuch nicht abgeschossen zu werden eine genaue Identifizierung des Angreifers unmöglich machten. Letztendlich war es für die Besatzung der Mosquito auch vollkommen egal wer sie angriff, schließlich ging es um Leben und Tod.

Die Recherchen zu diesem Absturz begannen sehr zeitaufwendig. Es dauerte sehr lange, bis Zeitzeugen ausfindig gemacht werden konnten, die Hinweise auf den Absturzort geben konnten. Schließlich gab es einen vielversprechenden Hinweis und eine mehrstündige Suche, die, aufgrund der Tatsache, dass dieser Hinweis mehrere Hektar große Ackerflächen betraf und abgesucht wurde, schon von mir abgebrochen werden sollte. Dann kamen die ersten Fundstücke zum Vorschein, die auf der Erdoberfläche lagen und schon weitem als Plexiglasbruchstücke erkannt wurden. Zunächst wurde die Umgebung nach weiteren auf der Erdoberfläche liegenden Fundstücke abgesucht, wobei ca. 100 weitere Bruchstücke aus Plexiglas und Aluminiumteile gefunden wurden. Die weitere in einem Raster durchgeführte Suche mit dem Metalldetektor nahm sechs Tage in Anspruch, da die Fundstücke, dicht and dicht verstreut, an der Absturzstelle lagen. Insgesamt wurde eine Fläche von 40.000qm abgesucht, wobei sich das Trümmerfeld auf einer Fläche von 10.000qm erstreckte. Etwa 90% des Fundmaterials sind Plexiglasbruchstücke und dadurch zu erklären, dass die Mosquito als sehr erfolgreiches Mehrzweckflugzeug überwiegend aus Sperrholz und Basalholz gefertigt wurde und dadurch nur ein Gewicht von etwa 8.5 Tonnen auf die Waage brachte. Zwischen den Flugzeugteilen konnte auch eine Silbermünze aus dem Jahre 1942 geborgen werden, wobei es sich nicht feststellen lässt ob die Münze von dem Piloten oder dem Navigator stammt.

 

2 Kommentare

  1. Moin, ich habe mit Interesse den Bericht gelesen. Allerdings halte ich den Marker für falsch gesetzt. Emkendorf i. V. m. Vielen sollte Jim Kreis Plön liegen, unweit des Selenter Sees.
    Ich mag deine Recherchen. Weiter so!

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