Revensdorf

 

Flugzeugtyp:
Handley Page Halifax I
Absturzdatum:
16.09.1941
Absturzzeit:
23.37 Uhr
Absturzursache:
Abschuss durch Flak (Batterie Tüttendorf)
Werknummer:
L9503
Rufzeichen:
TL-P
Besatzung:
7 Mann (1KIA 6POW)
MACR:
-
Einheit:
35. Squadron
Startflugplatz:
Linton-on-Ouse
Startzeit:
19.55 Uhr
Herkunftsland:
GB
In der Zeit von 21.50 Uhr bis 00.00 Uhr erreichen 18 feindliche Flugzeuge die Westküste Schleswig-Holsteins. Neun dieser Flugzeuge drehen später auf Höhe Schleswig nach Süden, in Richtung Hamburg, eine Maschine kehrt nördlich von Husum wieder nach Westen um, zwei Maschinen drehen südwestlich von Rendburg nach Süden und sechs gehen über Heide, aus nordwestlicher Richtung kommend, zum Angriff auf Hamburg. 19 weitere Feindmaschinen erreichen aus Dänemark kommend den scheswig-holsteinischen Luftraum von 22.15 Uhr bis 00.40 Uhr und nehmen direkten Kurs auf Kiel, weiter in Richtung Hamburg. Aus dem Hamburger Raum kommend, gehen drei Flugzeuge über Ütersen nach Nordwest, zum Absflug nach Westen. Vier weitere Feindmaschinen gehen Nordwestkurs. Von vier Flugzeugen, die direkten Kurs auf Kiel nehmen, erreicht eine von ihnen aus Südwesten kommend den Stadtrand von Kiel, dreht kurz nach Osten, um dann nach Nordwesten zu drehen und stürzt kurz um 23.37 Uhr hinter dem Kanal in der Nähe von Revensdorf ab. Die vom Fliegerhorst Jagel aus gestarteten 18 Messerschmitt Me-110 (zwischen 22.03 Uhr und 00.25 Uhr) waren an diesem Absturz, soweit es sich aus den vorliegenden Unterlagen erkennen lässt, allerdings nicht beteiligt. Die mit dem Fallschirm abgesprungene Besatzung wurde in der Umgebung von Revensdorf aufgegriffen und gefangengenommen. Ein Besatzungsmitglied (der Pilot) wurde tot aufgefunden.

Die Landeszeitung von September 1941 berichtete über diesen Abschuss:

"Wie wir bereits gestern mitteilten, schoss unsere Marine-Artillerie in der Nacht zum 16. September in nächster Umgebung nördlich Kiels einen viermotorigen Britenbomber ab. Ein Mitglied unserer Schriftleitung weilte in den frühen Morgenstunden an der Absturzstelle und berichtet wie folgt.

Seit Wochen und Monaten prahlt die englische Propaganda mit ihren schweren viermotorigen Bombern, die sie renomistisch als Wunderwerke der Luftfahrtindustrie, als "Fliegende Festungen" bezeichnet, um der deutschen Zivilbevölkerung Angst und Schrecken einzujagen. Diese Überbomber fliegen, nach den britischen Behauptungen, in so phantastischen Höhen, dass es der deutschen Luftabwehr einfach unmöglich sei, sie auch unter noch so starkem Granathagel herunterzuholen. Nun, die Praxis hat diese großmäulige englische Propaganda - wie immer - Lügen gestraft. Im Reich wurden schon verschiedentlich die sagenhaften "Viermotorigen" abgeschossen, und in der Nacht zum Dienstag gelang es nun auch der bei Kiel liegenden Marineartillerie, ihren bisherigen Siegeswimpeln einen neuen anzureihen, indem sie solche "Fliegende Festung", eine viermotorige Halifax, abschoss.

Als unsere Fahrt am Dienstagmorgen zur Absturzstelle geht, fahren wir vorbei an friedlichen Bauernhöfen, an grünen Weiden, auf denen das Vieh grast, an spielenden Bauernkindern und an weiten Feldern. Auf eins solcher Felder ist der Britenbomber abgestürzt. Bei seinem Anflug auf Kiel hatten ihn die sicher arbeitenden Scheinwerfer erfasst. Erst zwei, dann drei, vier und schließlich ein ganzes Strahlenbündel. In Sekundenschnelle spielte sich das alles ab, und Sekunden dauerte es auch nur, da schnellte der Granathagel deutscher Abwehr gegen das mit dem Auge zu erkennende Ziel. Jetzt änderte der Bomber seine Richtung, um dem Abwehrfeuer zu entgehen, den Scheinwerfern zu entkommen. Aber vergebens; die Scheinwerfer ließen ihn nicht los. Da, ein Volltreffer ! In die "Fliegende Festung" war eine Bresche geschlagen; eine dicke Rauchwolke zeugte davon. Mit rasender Fahrt ging es abwärts. Besatzungsmitglieder verließen die stürzende Festung an Fallschirmen... dann schwieg das Abwehrfeuer, erloschen die Scheinwerfer. Der englische Pilot hatte im Sturz anscheinend noch versucht, seinen Bomber notzulanden. Dabei hatte er dann im letzten Augenblick noch ein Gehölz gestreift, und Bruchteile von Sekunden später war der Britenbomber auf dem Feld zerschellt. Als wir vor den Trümmern standen, lag der Pilot am Wegrand tot am Boden. An einem Handgelenk trug er an einer silbernen Kette seine Erkennungsmarke. Mehrere andere Besatzungsmitglieder waren inzwischen gefangengenommen worden, ja ein Sergeant hatte sofort eine Scheinwerferstellung aufgesucht und sich ergeben. In einiger Entfernung von der zerbrochenen "Festung" standen die Bewohner des nächstliegenden Dorfes und schauten auf die Trümmer der Maschine. Wir schritten dicht an das zerschellte Flugzeug heran. In größerem Umkreis lagen Teile des auseinander gerissenen Bombers."

 

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