Felde


Short Stirling I #BK599

Absturzdatum 13.10.1942  
Crew
Absturzzeit ca. 22.00 Uhr   Sgt. J.G. Cameron, Royal Canadian Air Force, (POW)
Absturzursache Abschuß durch Jäger und Flak   Sgt. R.W. Davison, Pilot, Royal Air Force, 22 Jahre,
Grablage in Kiel War Cemetary: 1.C.4-7
Flugzeugtyp Short Stirling I   Sgt. Ronald Dempsey, Royal Air Force,
Grablage in Kiel War Cemetary: 1.C.4-7
Seriennummer BK599   Sgt. Stuard Alexander Miller, Royal Air Force, 30 Jahre,
Grablage in Kiel War Cemetary: 1.C.4-7
Rufzeichen BU-R   Sgt. George Douglas Murray, Royal Canadian Air Force, 20 Jahre, Grablage in Kiel War Cemetary: 1.C.4-7
Besatzung 5 (5 KIA, 1 POW)   Sgt. G.F.J. Phalempin, Royal Canadian Air Force,
Grablage in Kiel War Cemetary: 1.C.9
MACR -    
Einheit 214. Squadron    
Startflugplatz Chedburgh    
Startzeit Unbekannt    
Herkunftsland GB    

Am Dienstag den 13.10.1942 flog der englische Bomber mit seiner sechs Mann starken Besatzung aus Richtung Rendsburg kommend auf Kiel zu. Wenige Minuten vor 22.00 Uhr brach, vermutlich durch Treffer des Beschusses durch Jäger und Flak, der Funk - und Sichtkontakt zu den anderen Maschinen der angreifenden Bomberformation ab, das Flugzeug wurde vermißt. Nach Zeitzeugenaussagen konnten die letzten Minuten der "Short Stirling I" recherchiert werden:

Bereits im Rendsburger Raum griffen deutsche Jagdflugzeuge die englische Bomberformation an, wobei ein Bomber durch die Scheinwerferstellung "Sehberg" und "Tüttendorf" im Scheinwerferstrahl verfolgt wurde. Neben den deutschen Jagdflugzeugen beschoß auch die Flak "Hohenschulen" das herannahende Flugzeug. Durch schwere Treffer an Höhe verlierend, trudelte die angeschlagene Maschine nur knapp an Bredenbek vorbei, nur wenige hundert Meter über dem Forst "Rolfshörn" hinweg. Im Dorf Felde wurde bereits Fliegeralarm gegeben. Das Flugzeug verlor immer mehr an Höhe, überflog den Ort Felde und raste nur wenige Meter über der Erde auf ein Gutshaus am Westensee zu. Einer der Schornsteine am Haus und die Baumkrone einer der Buchen wurde durch das nun herabstürzende Flugzeug abgerissen. Sekunden später zerschellte die Maschine, etwa 40m vom Gutshaus entfernt, in dem dort angelegten Obstgarten. Ein Zeitzeuge berichtet:

"Ich war damals zehn Jahre alt. Gegen 22.00 Uhr gab es Fliegeralarm. Wir lagen schon im Bett. Dann mußten wir schnell aus dem Haus. Plötzlich hörten wir das laute Brummen und sahen dann das ganz tief über uns hinwegtrudelnde Flugzeug. Es flog direkt auf das Gut zu. Dann hörten wir den lauten Knall. Mein größerer Bruder lief sofort über die Felder, hin zu dem abgestürzten Flugzeug. Man konnte sehen wie es am Gutshof brannte. Gespannt wartete ich auf meinen Bruder. Aber er kam erst nach einigen Stunden wieder..."

Von der sechsköpfigen Flugzeugbesatzung kamen fünf Mann ums Leben. Ein Mann überlebte den Absturz und wurde bis zur Abholung durch die Wehrmacht bei Lubinus in Felde untergebracht. Er kam in Gefangenschaft.

Der in deutsche Gefangenschaft geratene Sergeant Cameron durchlief hierbei folgende Gefangenenlager:
1. Reserve-Lazarett Obermaßfeld (Wehrkreis IX), Kassel
2. Stalag Luft 1 (Wehrkrei II), Stettin
3. Stalag 20A (Wehrkreis XX), Danzig
4. Heydekrug (Wehrkreis I), Königsberg
5. Stalag 357 (Wehrkreis XI), Fallingbostel
Am 1.11.1945 traf er aus der Gefangenschaft entlassen, in Toronto, Kanada ein.

  

Links: keine 50m vom Haus entfernt ist das Flugzeug 1942 im damaligen Obstgarten aufgeschlagen.
Rechts: 62 Jahre später an der ehemaligen Absturzstelle.

 

Der Aufschlagkrater im Obstgarten. Im Hintergrund der nahegelegene Westensee

 

  

Zwei Zylinderköpfe der Motoren. Mahnmal und Relikte zugleich