Felm-Kraienwisch

 

Flugzeugtyp:
Liberator B-24H
Absturzdatum:
24.08.1944
Absturzzeit:
11.45 Uhr
Absturzursache:
Abschuss durch Marineflak
Werknummer:
42-94780 "SMITTY"
Rufzeichen:
4-M
Besatzung:
8 Mann (7KIA 1POW)
MACR:
8463
Einheit:
34BG. 4BS.
Startflugplatz:
-
Startzeit:
-
Herkunftsland:
USA

 

Das Hauptziel der etwa 1000 Bomber am 24. August 1944 war die Stadt Misburg bei Hannover. Die Karte der Marineflakbrigade Kiel zeigt den Durchflug dieser Bomber, der von Nordwest in Höhe Husum weiter südöstlich in Richtung Hamburg führte. Ein kleine Gruppe der 34. Bombgroup wechselte ihren Kurs noch vor Hamburg und flog in westliche Richtung ihrem Primärziel entgegen. Unter diesen Maschinen war auch die B-24H mit der Seriennummer 42-94780, deren 63. Feindflug der letzte sein sollte. Die 34. Bombgroup der US-Airforce startet an diesem Tag mit 39 schweren Bombern vom Typ B-24. Um 11.15 Uhr erreichte der Bomberpulk die schleswig-holsteinische Westküste im Raum südlich von Itzehoe, flog nordwestlich an Bad Segeberg vorbei und erreichte das Kieler Stadtgebiet um 11.35 Uhr. Nur 32 Maschinen erreichten ihr Ziel und warfen hierbei insgesamt 91,5 Tonnen Bombenlast auf das Primärziel (Kiel), 3 Maschinen warfen 9 Tonnen Bombenlast auf das Sekundärziel (Hemmingstedt). Die auf Kiel abgeworfenen Spreng- und Brandbomben beschädigten hauptsächlich die Funkschule und Gebäude der Firma Walther & Co. am Tannenberg.

24081944Die Karte zeigt den aufgezeichneten Flugweg des Tagesangriffes auf Hamburg und den letzten Flugweg der B-24 nach Kiel. Die kleinen roten Punkte um Kiel herum, zeigen die von dieser Besatzung als Notabwurf abgeworfenen Bomben.

Die B-24 hatte offenbar schon kurz vor Hamburg mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen und erhielt schon hier einen direkten Treffer in Triebwerk 1, worauf der Motor sofort Feuer fing. Ob es sich bei dem Treffer um den eines deutschen Abfangjäger, oder durch die Marineflak handelte ist nicht sicher. Bereits auf Höhe Segeberg muss sich das Feuer vom Motor aus bereits auf das gesamte Flugzeug ausgebreitet haben. Vermutlich konnte sich nur der Pilot noch rechtzeitig aus der brennenden Maschine retten, denn 2Lt. Howard war der einzige Überlebende. Es ist davon auszugehen, dass sich seine Kameraden noch in dem brennenden Flugzeug befanden als dieses um 11.45 Uhr, zwischen Felm und Gettorf, noch in der Luft explodierte.

2Lt. Gerald R. Howard, der einzige Überlebende dieses Absturzes, wurde in das Stalag Luft I in Barth-Vogelsang überführt und verbrachte, bis zur Befreiung durch die einrückenden amerikanischen Einheiten, dort seine Gefangenschaft. Nach Kriegsende wurden von amerikanischen Einheiten Zeugen aus dem Umgebung des Absturzes gesucht, die, laut vorliegenden Unterlagen, am 11.05.1946 befragt wurden und folgende Angaben machen konnten. Ich bedanke mich bei Stephan Demmelmeier für die Dokumente, die hilfreich waren um diese Recherche abschließen zu können!

"Gegen Ende August 1944 war ich auf dem Weg zur Ernte. Auf dem Weg traf ich zwei deutsche Soldaten, die einen verwundeten Flieger begleiteten. Der Flieger wurde auf einem Fahrrad transportiert, scheinbar war er am Fuß oder am Bein verwundet. Ich habe nicht mit den Soldaten gesprochen. Sie gingen mit dem Gefangenen ihn Richtung Felm. Ich weiß nicht wo der verwundete Flieger gefangen genommen wurde." (I.R.)

"Am 24.August 1944 stürzte zwischen Felm und Gettorf ein Liberator-Flugzeug ab. Ein Besatzungsmitglied stieg mit dem Fallschirm aus und wurde am Bein verwundet, neben dem Absturzort aufgefunden. Dieser Soldat wurde von Mitgliedern der Flugabwehr gefangen genommen und wohl zum Flugplatz Holtenau gebracht. Dies wurde von H. und K. und einigen anderen Bewohnern von Felm beobachtet. Zu einer anderen Zeit, vielleicht vor diesem Tag, während eines Bombenangriff auf Kiel, landete ein amerikanischer Soldat mit seinem Fallschirm zwischen Rathmannsdorf und Felm im Holliner Wald. Flaksoldaten vom Felmer Scheinwerfer nahmen diesen Soldaten gefangen. Ein Flugzeug stürzte an diesem Tag in unserer Umgebung nicht ab. Es gibt keine Gräber von amerikanischen oder englischen Soldaten in der Umgebung von Felm. Die Gefallenen wurden immer von der Bergungsgruppe des Holtenauer Flugplatzes geborgen und später wohl in Holtenau oder auf dem Kriegsgräberfriedhof in Kiel bestattet." (W.)

"Am 24.August 1944 sah ich ein in der Luft explodierendes feindliches Flugzeug. Ich habe nichts von der Besatzung gesehen, aber ein amerikanischer Flieger landete neben meinem Haus. Etwas später erschien er auf meinem Hof. Er war sichtlich am Fuß verwundet. Ich habe den Fuß des verwundeten Fliegers verbunden. Nach ungefähr einer Stunde kamen drei Soldaten einer mir unbekannten Einheit und nahmen den Flieger mit. Die Soldaten kamen mit Fahrrädern und wurden von einigen Anwohnern begleitet. Die Soldaten setzen den Flieger auf ein Fahrrad und haben ihn dann geschoben, wohin weiß ich nicht. Am gleichen Tag erzählte mir ein deutscher Soldat, dass ein abgestürzter Flieger auf der Wiese des Bauern B. gefunden wurde und den deutschen Namen "Ernst Becker" hatte. Ich habe an diesem Tag zwei weitere tote amerikanische Flieger gesehen die auf dem benachbarten Feld lagen. Der Bereich wurde gesperrt und die Toten am nächsten Tag mit einem LKW abgeholt. Ich weiß aber nicht wohin." (C.R.)

"Am 24. August 1944 explodierte ein feindlicher Bomber über unserem Hof. Drei Besatzungsmitglieder fielen auf das Feld neben unserem Haus, auch brennende Teile vom Flugzeug kamen herunter. Auf dem Weg zum Absturzort fand ich drei tote Flieger. Soldaten einer Einheit die ich nicht kenne, sperrten den Bereich, dass es nicht möglich war die Toten aus der Nähe zu sehen. Am Nachmittag des 26. August kam ein LKW einer mir unbekannte Einheit und holten die Toten ab. Ein Zivilist begleitete den LKW, sammelte die Erkennungsmarken ein und legte sie in einen Briefumschlag. Nachdem die Toten auf den LKW verladen wurden, fuhr der LKW zum benachbarten Hof und sammelte dort zwei weitere verkohlte Besatzungsmitglieder ein. Etwa zwei Stunden später kam der selber LKW-Fahrer zurück und holte die Überreste der Trümmer ab. Auf meine Frage hin antwortete er, dass die Toten zum Kriegsgräberfriedhof nach Kiel gebracht wurden. Ich kenne den Namen und den Wohnort des LKW-Fahrers nicht." (H.V. und M.B.)

Durch Befragungen einiger Zeitzeugen im Jahr 2007 und 2008 konnte bisher ein Ort lokalisiert werden, an dem damals einige Trümmerteile der in der Luft explodierten B-24 gefunden wurden. Leider hatte der Landeigentümer einer dieser Flächen bereits im Jahr 2006 einige Fundstücke, die er bis dahin auf seinem Hof aufbewahrt hatte, der Schrottverwertung zugeführt. Nach seinen Angaben handelte es sich hier möglicherweise um einen größeres Teil vom Cockpit, an dem sich auch Plexiglas befand. Eine großflächige Begehung an diesem Fundort brachte nur ein leere ausgebrannte Hülse der Bordbewaffnung vom Kaliber 12,7 x 99mm, ein Stück Plexiglas sowie eine kleine Sauerstoffflasche zum Vorschein. Diese Sauerstoffflasche (siehe Fotos) wurde von der Besatzung während des Fluges oder einem Fallschirmabsprung aus großer Höhe verwendet, in der das Atmen ohne Sauerstoffzufuhr unmöglich ist.

Die Sauerstoffflasche vor und nach der Reinigung

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