Luftangriff auf Kiel

Montag, 13. 12 1943
(Frau Gesche Richter – Zeitzeugin)

„Mein Elternhaus in einem Kieler Vorort ist bei vorhergehenden Angriffen mal mehr, mal weniger beschädigt worden. Die Schulen sind zum Teil zerstört, zum Teil werden sie als Lazarett gebraucht. Ich muss eine Schule im Zentrum besuchen, wo mehrere Klassen verschiedener Schulen zusammengefasst sind. Am 13. Dezember fuhr morgens noch teilweise eine Straßenbahn. Im Lehrerzimmer wurde der Drahtfunk abgehört. Mitten in den Unterricht platzt der Voralarm. Wir gehen klassenweise in einen etwa 300 Meter entfernten großen Hochbunker direkt hinter dem Rathaus. Es fallen viele Bomben, der Bunker scheint zu tanzen, die Einschläge dröhnen dumpf. Alle, Erwachsene und Kinder, hocken ängstlich auf den Bänken. Dann gibt es Entwarnung. Als wir aus dem Bunker kommen, brennt es überall. Wir laufen zunächst in unserer Schule, aber auch da brennt es. Wir werden aufgefordert, ein Taschentuch vor Mund und Nase zu halten und sollen versuchen, aus dem Nebengebäude der Schule, das noch nicht brennt, wo aber Türen und Fenster herausgerissen und drinnen auch Mauern teilweise eingestürzt sind, unsere Schultaschen aus den Trümmern zu holen. Ich finde meine auch, aber dann blieben wir uns selbst überlassen und mussten versuchen, nach Hause zu kommen. Ein Stück nahm mich der Vater einer Klassenkameradin mit, aber dann musste ich allein, an brennenden oder eingestürzten Häusern vorbei, durch Qualm und über Trümmer meinen Weg suchen. Überall versuchten die Leute, noch etwas aus ihren Häusern zu retten, aber es lagen da auch Verletzte, die verbunden wurden, und tote Menschen. Diesen Weg durch die brennende Altstadt, durch Qualm, der in die Augen biss und das Atmen schwer machte, über Staub, Schutt und Trümmer, vorbei an Menschen, die zu retten versuchten, was noch zu retten war, ist für mich ein schlimmes Erlebnis gewesen.“ (Quelle: http://www.jf-archiv.de)

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